Meine Einschätzung zu Wikileaks

Wikileaks

Wikileaks veröffentlicht interne Korrespondenz zwischen Diplomaten.

Durch dieses in meinen Augen ungerechtfertigte Vorgehen wird unser, von uns selbst gebildete, System der Demokratie in Frage gestellt.

Allerdings wird die Unzufriedenheit Vieler durch den Zuspruch, den Wikileaks weltweit erhält, deutlich. Änderungen sind manchmal schmerzhaft, führen häufig durch ein Chaos.

Eigentlich bin ich recht zufrieden mit unserem System in Deutschland, wenngleich mir jede Menge Kritikpunkte einfallen. Doch deswegen das ganze System in Frage zu stellen, was Wikileaks durch die Veröffentlichung der Dokumente tut, halte ich für übertrieben.

Merkwürdig ist doch, wie heftig Wikileaks derzeit auch von der Politik verurteilt wird. Böse Zungen könnten behaupten, dass Wikileaks von der Bundesregierung gelernt hätte. Aus Sicht von Wikileaks ist die übertriebene Geheimhaltung der Diplomatie und insbesondere die teilweise verwendeten Instrumente (Ausspionieren von Abgesandten anderer Länder) rechtswidrig, und da heiligt der Zweck die Mittel, wie dies auch die Bundesregierung beim Kauf der Steuer-CDs aus Liechtenstein durchgesetzt hat.

So wie ich die Vorgehensweise von Wikileaks verurteile, halte ich auch den Kauf der Steuer-CDs für einen falschen Weg. Es ist die Methode eines in die Ecke getriebenen Stachelschweins, das seine Pfeile wild um sich schießt.

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Hi I'am Stephan Heibel

Herausgeber des Heibel-Ticker Börsenbriefs

http://www.heibel-ticker.de

Comments (10)

  1. Falk

    Dezember 7, 2010 at 10:02

    Sehr geehrter Herr Heibel,

    ich möchte Ihnen gratulieren zum familiären Glück.

    Ich lese gerne Ihren Ticker und die vielen von Ihnen aufgezeigten
    positiven Firmenstorys.

    Allerdings unterstütze ich Wikileaks. Ihren Systemoptimismus teile ich nicht. Natürlich geht es den Deutschen noch gut. Aber Deutschland als Vasall der USA führt Kriege um Resourcen. Deutsche billigen Folter und Völkermord zur Erhaltung materiellen Wohlstands. In allen Nato- Kriegen werden Uranwaffen eingesetzt, welche Krebs und Missgeburten erzeugen.

    Blenden Sie solche Tatsachen bei Ihren Betrachtungen aus? Nun kommt eine Organisation, wie Wikileaks und deckt Regierungsverbrechen auf. Es kommt ans Tageslicht, dass wir belogen werden, um Kriege zu rechtfertigen, vielleicht auch endlich die Wahrheit über 9/11. Auf einmal ist die so hochgelobte Demokratie gar keine Demokratie mehr, weil Sie Ihren Bürgern einen Maulkorb verpasst, weil Sie Menschen verfolgt, die die Wahrheit ans Tageslicht bringen.

    USA und EU entwickeln sich zu totalitären Regimen mit Überwachung der Bürger und Einsatz von Militär im Inneren. Sie wollen das nicht glauben, der Krieg ist ja weit weg.

    Ja, die Börse ist erst mal mit Geld geflutet. In Griechenland, Irland usw. geht es dafür bei den kleinen Leuten richtig ans Eingemachte. Die Umverteilung von arm auf reich in Europa kann meiner Meinung nach nur im Bürgerkrieg enden.

    Ich nehme jedenfalls einen Geldbetrag und überweise ihn an Wikileaks. Vielleicht sollten Sie das auch tun.

    Viele Grüsse von Falk aus der Schweiz

  2. stephan_heibel

    Dezember 7, 2010 at 13:58

    Herzlichen Dank für die Gratulation.

    Ja, ich kann Ihre Argumente absolut nachvollziehen, und Sie können mir glauben, dass ich auch insgeheim ein wenig erleichtert bin darüber, dass einige Missstände unseres Systems aufgedeckt werden. Doch ich will eines nicht akzeptieren: Wir wählen uns Regierungen, die nach ihrem besten Gewissen handeln. Mag sein, dass dort der eine oder andere Politiker die Bodenhaftung verloren hat und menschen- oder volksverachtende Entscheidungen trifft. Doch ich glaube nicht, dass alle Politiker hinsichtlich etwaiger augenscheinlicher Kriegsverbrechen unter einer Decke stecken und Unrecht vertuschen. Vielmehr haben sie einen Grund, warum sie dies tun. Und mich würde vielmehr der Grund interessieren, als dass ich das Verhalten der von mir gewählten Vertreter anprangere.

    Also ja, ich erkenne, dass unser System inzwischen so weit entwickelt ist, dass der Einzelne sich ohnmächtig fühlt. Aber nein, ich glaube nicht, dass die Regierungen systematisch Gesetze brechen und dies verschweigen. Ausnahmen bestätigen die Regel, aber ich halte das nicht für ein absichtliches und systematisches Vorgehen, das so aufgedeckt werden sollte.

    Nun, ich denke, das Thema wird uns noch eine lange Zeit begleiten 🙂

    Freundliche Grüße

    Stephan Heibel

  3. Roland

    Dezember 8, 2010 at 08:31

    Sehr geehrter Herr Heibel,

    zunächst herzlichen Glückwunsch zur Tochter – ich konnte meine im September begrüßen.

    Dann allerdings muss ich mich ziemlich wundern über das allgemeine Demokratieverständnis, auch das Ihre. Gehen wir wieder den Weg der Römer damals, die den Überbringer schlechter Nachrichten ermordet haben? Assange wurde in jedem Staat jetzt gejagt. Man findet immer etwas. Ist Demokratie, Daten über Menschen und deren Verhalten zu speichern und diese natürlich zu Manipulationszwecken zu nutzen? Hier wird definitiv der Täter zum Opfer gemacht und umgekehrt. Wenn er etwas verbrochen hat, soll er bestraft werden wie alle anderen auch. Aber der Gedanke, dass ihm hier etwas untergeschoben wird, ist nicht abwegig. Alle haben Angst vor den Informationen, die er hat und keiner weiß, was noch kommt.

    Merken wir eigentlich nicht mehr, wie wir immer manipulierbarer werden? Jeder sammelt wie wild Daten, um z. B. zielorientierte Werbung anbieten zu können (in unseren Gedanken sicher ein einfacher Fall), wenn aber etwas anfällt, was nicht nutzbar ist, finden wir sicher jemanden, der das brauchen kann. Das ist in meinem Verständnis nicht Demokratie. Und ich find es toll, wenn endlich alle die gleichen/selben Informationen haben und sich selbst ein Bild über den Zustand der Demokratie machen können und nicht mit gezielt gestreuten Informationen beeinflusst werden. Ja, es sind nicht alle dazu bereit und in der Lage. Aber diese Infos kann jetzt keiner mehr manipulativ verwenden. Es wissen ja alle.

    In diesem Sinne. Unsere Kinder sind die, die es ausbaden werden.

    Mit freundlichen Grüßen, Roland aus München

  4. Stephan Heibel

    Dezember 8, 2010 at 08:32

    Besten Dank für die Glückwünsche 🙂

    Ich denke, ich werde das Thema im nächsten Heibel-Ticker nochmals aufgreifen. Ja, ich stimme Ihnen zu, dass alle Menschen, die über die gleichen Informationen verfügen und den gleichen Horizont haben zu dem gleichen Resultat kommen werden. Doch leider haben nicht alle Menschen den gleichen Horizont. Und wenn in einem Cocktail-Gespräch ein saudischer König den USA zu verstehen gibt, dass er einen Krieg gegen den Iran gut heißen würde, dann fehlt mir nach dem Lesen des Faxes darüber das Wissen, wie dessen Aussagen einzustufen sind: Provokativ, konstruktiv, polarisieren, …?

    Ich halte unsere Politiker nicht für von Grund auf schlecht, sondern sie bemühen sich. Wenn es Missstände gibt, dann sollten wir unser System ändern, nicht die derzeitigen Vertreter unseres Systems an den Pranger stellen. Ich möchte es auch künftig Politikern zugestehen, in der Sauna einmal „off records“ sprechen zu können. Werden solche Gespräche unmöglich, so wird ein großer Teil des gegenseitigen Verständnisses in der Diplomatie verloren gehen – oder umständlicher durch noch mehr persönliche Treffen organisiert werden müssen.

    Vielleicht könnte man solche „geheimen“ Informationen einer weiteren Instanz vorlegen, die daraus rechtliche Verstöße aussortieren kann. Doch sofort alles der Allgemeinheit zugänglich zu machen, halte ich für den falschen Weg.

    Freundliche Grüße

    Stephan Heibel

  5. Thomas

    Dezember 8, 2010 at 08:37

    Lieber Herr Heibel,

    Ihnen und Ihrer Frau ganz herzliche Glückwünsch zur Geburt Ihrer Tochter mit ihrem schönen Namen Carla Rosalie. In diesem Falle wirklich: take care. Das war mir das Wichtigste.

    Wikileaks – da teile ich Ihre Einschätzung, auch hinsichtlich der Steuer-CD Einkäufe. Hatte damals mit einem Juristen Streit, der meinte, die Bundesregierung könne es sich gar nicht leisten, den Kauf abzulehnen. Wie dem auch sei.

    Der Wikileaks Gründer scheint mir jedenfalls ein eitler, sich selbst überschätzender geltungssüchtiger Depp zu sein. Hoffentlich fällt er nicht zu hart, wenn er fällt. Aber diese Menschen lernen ohnehin nichts, sie wissen alles schon und haben immer Recht.

    Ihnen und Ihrer Familie ein frohes Weihnachtsfest und ein glückliches neues Jahr, Ihr Thomas aus Bremen

  6. Stephan Heibel

    Dezember 8, 2010 at 08:38

    Herzlichen Dank für die Glückwünsche und ja, ich werde aufpassen 🙂

    Die Mehrzahl der Menschen freuen sich über die Veröffentlichungen von Wikileaks (Schadenfreude?) – wenn Politik doch nur so einfach wäre, dass man mit der Wahrheit etwas erreichen könnte… 🙁

    Auch Ihnen und Ihrer Familie wünsche ich eine schöne Vorweihnachtszeit und ein gutes Neues Jahr.

    Freundliche Grüße

    Stephan Heibel

  7. stephan_heibel

    Dezember 8, 2010 at 09:50

    Guten Morgen,

    off the record hieße ja auch ohne Weitergabe. Da sind die Damen und Herren nun selber schuld. Es ist schon ziemlich blauäugig, wenn man davon ausgeht, dass das nur eine Seite macht. Und jeder hat nach Bekanntmachung der Informationen ja das Recht, die fehlenden Infos hinzuzufügen. Die Presse wird es freuen. Wer entscheidet denn, wer welche Informationen versteht und haben darf. Das klingt alles ziemlich nach Schattenwelt. Es gibt schon zu viele Beispiele, die das Dummhalten der Bevölkerung zeigen (Aufklärung Luther, Nationalsozialismus, Kommunismus – sogar aktuell China). Alle sind gescheitert oder werden scheitern. Und es ist gut so. Wir werden daran reifen und wachsen. Das Internet war nur der Beginn.

    Ich habe nicht die Meinung geäußert, dass unsere Politiker schlecht sind. Sie sind der Spiegel der Gesellschaft. Aber manipulativ sind sie schon. Werden aber durch die Umfragegesellschaften auch manipuliert.

    Mit freundlichen Grüßen

    Roland aus München

  8. Hendrik

    Dezember 16, 2010 at 08:54

    Hallo Stephan,

    danke für Deine Sichtweise zu Wikileaks – zu viele versuchen aktuell eine komplizierte Fragestellung mit einer einfachen Antwort zu beantworten. Ich glaube, die Dinge liegen sehr tief und werfen schwierige moralische Zwickmühlen in der Zukunft auf. Schön das es noch Menschen gibt, die sich Gedanken machen!!

    Viele Grüße und eine eine schöne Zeit, falls wir uns nicht mehr hören, sehen oder mailen,

    Hendrik aus Dollerup

  9. Christian

    Januar 10, 2011 at 09:46

    Hallo Herr Heibel,

    es ist noch nicht so lange her, da schrie man: „Wir sind das Volk“ und das ist genau der Punkt.

    WIR haben eine Regierung gewählt, die fuer uns tätig sein soll. Es sind praktisch unsere Rechts-Vertreter. Die Volksvertreter haben gegenueber uns KEIN Recht auf Gemauschel oder Geheimniskrämerei. Egal, ob es sich um kriminelle Handlungen handelt oder einfach nur um interne Kommunikation untereinander oder über andere Staaten oder deren Volksvertreter. Das Gleiche gilt natürlich für die Amis und auch für jedes Land der Welt – und ganz besonders, wenn sich ein Land als Weltpolizei aufspielt, aber selbst die Menschenwürde mit den Füssen tritt.

    Nur dadurch können wir das wahre Gesicht der von uns gewählten und unserer weltweiten Partner erkennen und vielleicht doch einmal zu einer aktzeptablen Regierungsrefom kommen.

    Stellen Sie sich vor, Sie nehmen sich einen Rechtsanwalt, der Ihre Interessen vertreten soll. Wollen Sie es nur wissen, wenn Ihr Anwalt etwas Kriminelles gegen Sie unternimmt oder haben Sie das Recht alles zu erfahren? Ich denke Sie haben das Recht ALLES zu erfahren, was Ihr Anwalt für, mit oder gegen Sie unternimmt.

    In diesem Sinne halte ich die Veröffentlichung ALLER Dokumente für die einzig richtige Lösung.

    Herzliche Grüße
    Christian aus La Vega,
    Dominikanische Republik

  10. Stephan Heibel

    Januar 10, 2011 at 10:41

    Hallo Christian,

    ich kenne Wikileaks bereits seit einigen Jahren, ich kenne sogar den Schweizer Whistleblower persönlich, dessen Insider-Infos als erste nennenswerte Veröffentlichung über Wikileaks zu Recht für viel Aufregung sorgten. Und ich fand diese Veröffentlichung gut.

    Meine Kritik an Wikileaks geht dahin, dass Wikileaks selbst eine Organisation ist, die nicht demokratisch gebildet ist oder irgendwie für eventuelle Fehlveröffentlichungen verantwortlich gemacht werden kann. Damit ist Wikileaks in seiner Struktur nicht wesentlich besser als das heutige System, das viele Infos unterschlägt. Und viele der veröffentlichten Dokumente von Wikileaks sind kein Hinweis auf Verbrechen, sondern lediglich das Aufdecken von Peinlichkeiten – und das gehört sich meines Erachtens nicht. Zum Schutz eines höheren Gutes (Aufdeckung von Verbrechen!) kann man geheime Dokumente veröffentlichen, nicht aber nur um Peinlichkeiten zu verbreiten.

    Nun, wir werden sehen, wie sich Wikileaks entwickelt. Ich wünsche den Jungs viel Glück und Erfolg, denn auch ich möchte mehr über die unsauberen Machenschaften erfahren. Doch derzeit ist Wikileaks noch zu anarchistisch, um von mir gut geheißen zu werden.

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