Klöckner & Co übertrieben ausverkauft

Die Aktien von Klöckner sind in den vergangenen drei Monaten um 40% eingebrochen. Als Stahlhändler ist Klöckner extrem abhängig von Konjunkturschwankungen und Bedenken hinsichtlich einem abflauenden Wirtschaftswachstum in China („nur“ 7% statt erwarteten 8%). Außerdem haben  Ängste um die schwachen Immobilienmärkte in Spanien, Großbritannien und den USA haben dafür gesorgt, dass Anleger Klöckneraktien meiden.

Doch meines Erachtens ist der Ausverkauf übertrieben. Denn auf der einen Seite wird durch die negativen Entwicklungen nur ein Teil des Geschäfts von Klöckner betroffen, während der andere Teil derzeit eine positive Meldung nach der anderen ausgibt. Und auf der anderen Seite ist der Ausverkauf bereits so heftig gewesen, dass die Aktie schon wieder auf Krisenniveau (KGV 2010e von 5) notiert, doch von einer Krise im Stahlmarkt kann ich nichts sehen.

Schauen wir uns also das Unternehmen einmal im Detail an: Der Anteil des China-Geschäfts bei Klöckner ist gleich Null. Neben 15% US-Geschäft befinden sich alle Kunden von Klöckner in Europa. Der Stahlmarkt in China kann also höchstens indirekt auf Klöckner Auswirkungen haben, indem die dortige Nachfrage einen Einfluss auf den weltweiten Stahlpreis hat. Schauen wir uns also die Stahlpreisentwicklung einmal näher an:

Die Finanzkrise 2007 / 2008 hat den Stahlpreis um 60% in den Keller gezogen. Seit März 2009 erfolgte eine Gegenbewegung um 60% und so steht der Stahlpreis heute auf einem wesentlich höheren Niveau als zur Finanzkrise. Die Euro-Krise hingegen hat dem Stahlpreis nicht zugesetzt, einen  Stahlpreisrückgang aufgrund der jüngsten Krise kann nicht beobachtet werden.

Also: China hat keinen direkten Einfluss auf das Geschäft von Klöckner und der Stahlpreis entwickelt sich überaus erfreulich. Warum also ist die Klöckneraktie um 40% eingebrochen?

Der Immobilienmarkt in Spanien, Großbritannien und den USA ist am Boden, Anleger fürchten ein frühes Ende der Konjunkturerholung aufgrund der kriselnden Immobilienmärkte. Doch das ist keine Überraschung. Im Mai hielt Klöckner eine Analystenkonferenz ab, in der explizit die Entwicklung auf den Immobilienmärkten angesprochen wurde: Es wird keine Erholung erwartet, und dies ist in den Unternehmensprognosen für 2010 bereits enthalten.

Der Immobilienmarkt ist für etwa ein Drittel des Umsatzes von Klöckner verantwortlich. Daneben ist die Automobilindustrie wichtig für Klöckner, der Maschinenbau, sowie auch die Sparte für Haushaltsgeräte (Bosch) und ähnliches. Alle diese Sparten verzeichnen eine anziehende Nachfrage bei steigenden Stahlpreisen. Der Umsatz von Klöckner werde im Jahr 2010 um 25% ansteigen (Klöckner-Prognose), trotz der Immobilienkrise. Die Automobilindustrie fährt Sonderschichten und lässt ihre Produktionsfließbänder die Sommerpause hindurch laufen. Der Maschinenbau freut sich über hohe Auftragseingänge, die sich ab dem 2. Halbjahr 2010 in eine erhöhte Stahlnachfrage umwandeln werden. Die Lagerhaltung in Europa ist trotz der Auffüllkäufe der vergangenen Monate noch immer extrem niedrig, aufgrund der steigenden Nachfrage reicht der Lagerbestand durchschnittlich nur noch für zwei Monate. Vor einem Jahr reichten die Bestände für mehr als vier Monate.

Durch den Ausverkauf der Klöckneraktien notiert die Aktie nunmehr auf einem KGV 2010e von nur noch 6,8. Dem von Analysten erwarteten Umsatzwachstum von 33% für das laufende Jahr wird dieses niedrige Niveau nicht gerecht. Auch vor dem Hintergrund des anhaltend hohen Umsatzwachstums von über 15% für die nächsten Jahre erscheint mir dieses KGV sehr niedrig.

Mit Hilfe des DCF-Modells lässt sich ein theoretisch fairer Wert ermitteln. Dieser Wert ist natürlich mit Vorsicht zu genießen, denn sobald Anleger Angst vor irgendwas bekommen, werden sie die Aktie ungeachtet ihres fairen Wertes verkaufen. Dennoch gibt der faire Wert einen Anhaltspunkt dafür, wo die Aktie mittel- und langfristig hinlaufen könnte.

Mit der Modellrechnung ergibt sich ein fairer Wert von 20,17 € je Aktie. Aktuell steht die Aktie bei 14,38 €, so dass sich ein Kurspotential von 41% ergibt. Sollte die Wirtschaft in China einbrechen und die Stahlnachfrage dadurch weltweit beeinträchtigt werden, so ist diese Modellrechnung Makulatur. Wenn Sie jedoch genau wie ich erwarten, dass wir einen weltweiten, effizienzgetriebenen Aufschwung erleben werden, dann können Sie den fairen Wert als Kursziel für die nächsten 12-18 Monate verwenden.{weiter[40|9]}

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Stephan Heibel

Hi I'am Stephan Heibel

Herausgeber des Heibel-Ticker Börsenbriefs

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