Alternative zur Griechenland-Rettung: Geordnete Insolvenz

Auszug aus dem Heibel-Ticker vom 30.4.:
>>Und eine dritte große Gläubigergruppe sind institutionelle Anleger aus der EU und der Schweiz. Die Schweiz? Ich habe noch kein Wort von den Schweizern gehört, dass sie sich an der Rettungsaktion beteiligen wollen. Nun, und in Deutschland sind es mal wieder die Banken – mit Ausnahme der Deutschen Bank.

Ackermann hat auch hier wieder ein gutes Risikomanagement bewiesen und kann das Engagement seiner Bank in Griechenland als „gering“ bezeichnen. Bleiben die üblichen Verdächtigen, die inzwischen sämtlich am staatlichen Tropf hängen.

Wenn Deutschland also hilft, dann um den Deutschen Staatsbanken größere Verluste zu ersparen. Aber ist es letztlich dann egal, ob der Steuerzahler Hilfen direkt nach Griechenland überweist oder aber die Banken in Deutschland erneut auffängt?<<{weiter[40|9]}

Hi I'am Stephan Heibel

Herausgeber des Heibel-Ticker Börsenbriefs

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Comments (2)

  1. stephan_heibel

    Mai 1, 2010 at 16:42

    Guten Tag Herr Heibel,
    endlich, endlich jemand, der die Dinge sieht wie ich! Merkel, Schäuble und Co. lassen stets nur verlauten „Wir haben keine Alternative“. Die Alternative ist die Pleite von GR. Was geschieht denn dann? Wie werden deutsche Interessen tangiert?

    1. Deutsche Banken und andere Unternehmen müssen Wertberichtigungen auf ihre GR-Forderungen vornehmen (komisch, ich hatte auch mal so um die 50% unterstellt). Es schließt sich die Frage an, um welchen Gesamtbetrag es geht und wie sich die Forderungen verteilen. Ich habe Ziffern von 30 – 40 Mrd EUR gelesen. Ca. 8 davon hat die HRE – da ist es wurscht, das muss ohnehin der Steuerzahler ausgleichen. Die DB hat fast nichts, wie sie auch sagen, Allianz 700 Mio, Münchener Rück 1,2 Mrd – das sind zusammen 2 Mrd, die von diesen Unternehmen verkraftet werden können. Wer hat die restlichen 20 – 30 Mrd auf den Büchern? Es darf doch angenommen werden, dass es keine weiteren, der Öffentlichkeit noch nicht bekannten Klumpenrisiken einer Größenordnung gibt, deren Wertberichtigung zur Existenzgefährdung des Unternehmens führt … mit Ausnahme der Landesbanken (LBBW hat m.W. 2 Mrd) und bei denen haftet im Zweifel auch wieder der Steuerzahler. Ich komme zu dem gleichen Schluss wie Sie: dann kann das Geld besser in Dtschl. bleiben.
    2. Eine Pleite von GR würde bedeuten, dass GR den Euro-Verbund verlassen müsste. Nun ist es technisch sicherlich extrem schwierig, quasi über Nacht eine neue Währung (Drachme) einzuführen. Aber das ist ein technisches Problem. Ein anderes Problem ist, das GR den größten Teil der Verbindlichkeiten in Euro hat, also Euro gegen Drachmen kaufen müsste. Nun, wer würde Drachmen kaufen? Viele, wenn der Kurs stimmt … was natürlich für GR extrem schmerzhaft wäre. Aber ich habe ja oben von „deutschen Interessen“ geschrieben.
    3. Welche Auswirkungen hätte eine Pleite GRs auf den EUR-Kurs? Das ist eine Frage, über die man lange diskutieren könnte. Ich weiß es nicht, es gibt wohl keine „richtige“ Antwort. Ich kann nur vermuten (und widerspreche damit einigen Freunden aus der Bankenszene), dass die Spekulation gegen den Euro sehr rasch zum Erliegen käme, da sie sich nicht lohnt. Und Euro-Europa wird nicht wirklich geschwächt, wenn die kranken und schwachen Länder herausfallen, sondern im Gegenteil gestärkt. Übrigens – eine weitere Abwertung wäre ja auch kein Drama; schließlich kommen wir ursprünglich von einer USD/EUR-Parität. Und das Exportland Dtschl. hätte fraglos einen großen Vorteil bei einem schwächeren Euro. Aber vielleicht haben Sie hierzu eine andere Meinung oder Antwort.

    Ihre Analysen heben sich wohltuend von dem allgemeinen Gemurmel und Nachgeplapper in den Medien ab, es macht Spaß sie zu lesen.

    Freundliche Grüße

    Hubertus aus Hofheim

  2. stephan_heibel

    Mai 12, 2010 at 16:43

    herzlichen Dank für Ihr Schreiben. Nein, Sie bekommen von mir keinen Widerspruch. Sie haben die Punkte, die ich nicht konsequent zu Ende gedacht habe, in meinem Sinne fortgeführt. Einen Punkt hatten wir beide jedoch übersehen: Die jetzige Lösung (Inflationierung) ist eine politische Lösung. Für uns Finanzmenschen ist das nicht nachvollziehbar. Für die Demonstranten in Griechenland ist es ein Zeichen, dass die EU eben doch zu einer kulturellen (und wirtschaftlichen) Einheit zusammen wächst. der Preis ist hoch, aber auch der Preis für die Wiedervereinigung Deutschlands war sehr hoch …

    Freundliche Grüße

    Stephan

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